Turton, Stuart: Der letzte Mord am Ende der Welt

Ein interessanter Genremix, der etwas braucht, bis Spannung in die Handlung kommt.

4/1/2025

3,5/5 ⭐

ISBN: 9783608502619

Seiten: 464

Klappentext:

122 Überlebende, 1 Mörder, 107 Stunden bis zum Ende der Welt

Die letzte bewohnte Insel der Welt. Eine Idylle. Hier leben Dorfbewohner und eine Handvoll Wissenschaftler friedlich zusammen. Doch dann geschieht das Undenkbare: Eines Morgens wird die Leiche einer brutal ermordeten Wissenschaftlerin gefunden. Sie sorgte für Sicherheit auf der Insel. Wird ihr Mörder nicht rechtzeitig gefunden, steht das Überleben der Menschheit auf dem Spiel.

Die Welt wurde durch einen ­giftigen Nebel zerstört, nur auf einer kleinen Insel im Mittel­meer existieren dank eines kom­plizierten Abwehrsystems letzte Überlebende. Wissenschaftler ­sorgen für ein friedliches Leben, sie überwachen die Landwirt­schaft, die nächtliche Sperrstunde und sogar die Gedanken der ­Dorf­bewohner. Die wiederum ­stellen keine Fragen – bis eine der Wissenschaftlerinnen eines Morgens ermordet auf­gefunden wird. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Mord das Abwehr­system der Insel herunter­gefahren hat. Wird der Mörder nicht inner­halb der nächsten 107 Stunden ­gefunden, wird die Insel von dem Nebel verschluckt. Und auch die letzten Menschen auf Erden werden aussterben. Das Problem: Niemand erinnert sich daran, was in der vergangenen Nacht geschehen ist.

Themen: Dystopie, künstliche Intelligenz, Moralphilosophie, Ende der Menschheit, Murder Mystery

Rezension:

Gleich zu Beginn hat die Handlung mit einem sehr interessanten Setting gestartet. Die Welt wurde von einem toxischen Nebel verschlungen, nur eine kleine Insel mit 122 Bewohner:innen wurde dank eines Abwehrsystems verschont, doch es bleiben nur noch 107 Stunden Zeit um die Menschheit zu retten.

Bis es zu dem Mord kommt, vergeht allerdings einiges an Zeit, sodass letztlich noch weniger Zeit bleibt, um den Nebel aufzuhalten. Der Klappentext ist daher etwas missverständlich und nimmt einen Handlungspunkt vorweg, der erst im zweiten Drittel des Buchs geschieht. Das hat etwas die Lesefreude gestört, da ich die ganze Zeit darauf gewartet habe, bis es endlich um den Mordfall geht.

Nichtsdestotrotz waren die Prämisse und das Worldbuilding sehr interessant. Gerade am Anfang wird sehr viel Zeit genutzt, um die dystopische Welt und das System der Insel zu erklären. Der Autor beschreibt ausführlich und lässt zugleich doch einige Fragen offen, die die Neugierde wecken. Zum Schluss hin wird es dann immer spannender, aber zugleich verworrener, sodass es letztlich etwas schwierig ist, der Handlung zu folgen.

Die Erzählinstanz fand ich sehr interessant. Abi ist mit den Gedanken der Dorfbewohner:innen vernetzt und ist daher eine allwissende Erzählerin, die zugleich selbst eine handelnde Akteurin ist. Als Leser:in ist man direkt in der Handlung, hat Einblicke in die verschiedenen Perspektiven, nur Abis Beweggründe bleiben verborgen, was wiederum die Spannung steigert.

Auch die Kombination aus Science Fiction, Dystopie und Krimi gemischt mit den moralphilosophischen Fragen, mit denen die Dorfbewohner:innen konfrontiert werden, ist ein äußerst interessanter Genremix, der selbst zum Nachdenken anregt.

An sich hat „Der letzte Mord am Ende der Welt“ einige vielversprechende Aspekte, nur leider war die Umsetzung anfangs recht langatmig und letztlich zu verworren, um so wirklich zu verstehen, warum die Charaktere so gehandelt haben, wie sie es taten.