Berman, Ella: Before We Were Innocent

Ein spannender Roman über eine Freundschaft, die durch bedingungslosen Zusammenhalt, zugleich aber auch durch Machtkämpfe und Intrigen geprägt ist.

3/4/2026

4/5 ⭐

ISBN: 9783759600202

Seiten: 448

Klappentext:

Wenn du zwischen Wahrheit und Freundschaft wählen musst

Bess ist überrascht, als ihre Freundin Joni plötzlich vor ihrer Tür steht. Seit sie vor zehn Jahren von jeglicher Mittäterschaft am Tod ihrer Freundin Evangeline freigesprochen wurden, haben sie sich nicht mehr gesehen. Nun bitte Joni Bess um einen Gefallen. Sie braucht ein Alibi. Bess hat keine andere Wahl, als Ja zu sagen. Denn sie ist Joni noch etwas schuldig. Und sie beginnt sich zu fragen, ob damals wirklich alles so war, wie sie immer glaubte ...

Themen: coming-of-age, Freundschaft, Macht, Trauer, Geheimnisse, Lügen, Scham, subjektiver Journalismus

Rezension:

Die Protagonistinnen Bess und Joni verbindet eine Dynamik, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Einerseits war ihre Jugend geprägt von Machtkämpfen und Intrigen. Andererseits stehen sie bedingungslos füreinander ein, lügen für die andere und finden stets Rechfertigungen - und das sowohl zu ihrer Schulzeit als auch im Erwachsenenalter, nachdem sie fast zehn Jahre keinen Kontakt zueinander hatten.

"Before we were innocent" ist bedrückend und spannend zugleich, ruft ambivalente Gefühle hervor, Unglaube und Verständnis zugleich, und regt zum Nachdenken an. Erzählt wird aus Bess' Perspektive zu verschiedenen Zeitpunkten: 2008 im Griechenlandurlaub, bei dem die gemeinsame Freundin Ev ums Leben kam, und 2018, als Joni nach fast 10 Jahren Funkstille plötzlich vor ihrer Tür steht und Bess bittet, für sie zu lügen, was einen gewaltigen Stein ins Rollen bringt.

Ella Bermans Schreibstil erinnert an einen Thriller, den man nicht aus der Hand legen kann, doch eigentlich ist es mehr ein Coming-of-Age-Roman über Freundschaft. Bess und Joni sind beide mysteriös und nicht ganz greifbar, rufen ein beklemmendes Gefühl hervor und in gewisser Weise habe ich beim Lesen auch Mitleid für die jungen Frauen verspürt, die von den Medien für ihren jugendlichen Leichtsinn und ihre Art zu trauern zerrissen wurden.

"Before we were innocent" ist ein spannender Roman über das Erwachsenwerden und eine Freundschaft, die sowohl von Misstrauen als auch Zusammenhalt geprägt ist. Er stimmt melancholisch und betrachtet reißerische Berichterstattung in einem kritischen Blickwinkel.